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In 80 Tagen um die Erde (frei nach Jules Verne) (Spielzeit 1999/2000)


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  Kritik     
Britische Klischees zum Lachen
Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen zeigte im Foyer U 3 »In 80 Tagen um die Erde«


Die IKG-Truppe auf dem Dampfer, von links nach rechts; Friederike Stanger (Witwe Auda), Moritz Schulte (Phileas Fogg), Klaus Schneider (Passepartou), Steffi Laudage (Kapitän), Lotte Biskup (Detektiv Fix) und Achim Großmann (Steuermann).



Very british - die England-Klischees hatten es der Theater-AG des Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasiums angetan. Ihre jüngste Produktion nach Jules Vernes Roman »In 80 Tagen um die Erde« bezog da raus ihren besonderen Witz. Angefangen von der Hauptfigur, dem weltreisenden Dandy Phileas Fogg, den Moritz Schulte wundervoll versnobt bis in die Fingerspitzen spielte, über die blasierten Gentlemen im Club, bis hin zur ständig paraten Hymne »Rule Britannia« die Aufführung lebte vom kabarettistischen Reiz der Verhohnepiepelung britischer Skurrilitäten. Wobei alles freundlich blieb, stets Vergnügen war und nie Bosheit. Vor allem auf sprachlicher Ebene kam die Komik der gedrechselten Höflichkeiten zum Tragen, samt verbal Direkt-Übersetzungen vom Schlage »Wie tun Sie tun?«. In diesem Zusammenhang verdient die gesamte Truppe ein Sonderlob: Die teilweise ziemlich komplizierten Texte wurden durchweg vortrefflich artikuliert. Vier Mal wurde in 80 Tagen um die Welt im Foyer U 3 unter begeistertem Applaus aufgeführt. Zur Darstellung der Ereignisse um die verrückte Wette des reichen Mr. Fogg, mit Zug und Dampfer zu ziemlich unsicheren Zeiten in 80 Tagen die Welt zu umrunden, hatte die Theater- AG unter Leitung von Sabine Laage und Eckhard Wurm den Kniff gefunden, Erzähl - und Spielszenen übereinander zu schieben. Zwei attraktive Berichterstatterinnen (Petra Rolinec und Caro Rode) stöckeln durch Kulissen und Publikum, »schwimmen« sogar im Badekostüm am Dampfer vorbei und informieren über den Fortgang der Handlung. Hinzu kommen vier Mädchen, die in Hüpfspielen Spottverse beisteuern. Dazu dreht sich ein knarrendes Ungetüm von Drehbühne und bietet Einblicke in den Londoner Club, in ruckelnde Zugabteile, in den Dschungel oder auf schwankende Schiffsplanken. Und wo die Möglichkeiten der tüchtigen Kulissenbauer des IKG erschöpft sind scheut man sich nicht vor Comedytricks (Spielzeug-Segelboot) und vor dem augenzwinkernden Eingeständnis Hier wird nur Theater gespielt. Die darstellerischen Leistungen der vielen Mitwirkenden waren auch noch sehenswert, als die Handlung nach der ersten, mit Überraschungen gespickten, halben Stunde etwas gleichförmig dahin plätscherte. Die einzelnen Figurenwaren gut aufs Typische hin gestaltet, wobei stets die parodistische Note betont wir de. Nur im Falle eines schießwütigen US-Obersts wurde fürchterlich übertrieben. Ansonsten war der große Applaus des Publikums hoch verdient.
Reutlinger Generalanzeiger