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Shakespeare's Greatest Hits (Spielzeit 2008/2009)


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Foto: Riegels-Winsauer
George Isherwoods Stück "Shakespeare's Greatest Hits" wird normalerweise von kleinen Theatergruppen auf die Bühne gebracht. Laut Angaben des Autors kann man das Stück mit sechs Personen spielen - als Regisseur beim "N.N. Theater" in Köln hat er es z.B. mit eben diesen sechs Schauspielern inszeniert.

Bei uns wirken dieses Jahr 45 Personen mit - auf der Bühne; dahinter und daneben nach einige mehr.

Wieder einmal stellt man sich die Frage: Kann man mit so vielen Leuten überhaupt Theater spielen. Man kann! Und wie!! Wir hatten in diesem Jahr eine absolute Top-Gruppe zusammen. Kreative, spielfreudige, aktive Schülerinnen und Schüler, dazu eine prima Gemeinschaft - alles hat gestimmt. Unsere Probenseminar (vulgo "Theaterfreizeit) in Tieringen verlief vollkommen harmonisch und problemlos; das ist bei einer so großen Gruppe nun wirklich keine Selbstverständlichkeit. Wie oft sind die Proben in der Schule zäh und mühsam, dazu organisatorisch schwierig (wie gesagt: 45 Leute müssen unter einen Terminhut!!). In Tieringen hingegen gibt es perfekte äußere Bedingungen: Alle sind immer greifbar, alle konzentrieren sich nur auf die Proben, die Gruppe wächst zusammen, und nach 9,5 Stunden Arbeit tagsüber sitzt man abends noch zusammen und spielt zusammen oder feiert oder redet - über das Stück vor allem. (Bei dieser Gelegenheit: Ganz herzlichen Dank dem Elternbeirat für seine Spende, ohne die diese Woche nicht möglich wäre!!!)
Das Stück bzw. der Autor hat es uns leicht gemacht! Die "Greatest Hits" sind eine Einladung zum kreativen Mitspielen, zum Einbauen von Ideen und Einfällen, zum Eintreten in die Welt der niveauvollen Shakespeare-Veralberung.

Shakespeare gehört zum Repertoire fast jeder Schultheater-gruppe. Unsere AG hat allerdings noch nie diesen Klassiker gespielt. Denn die Erfahrung zeigt: Man kann sich an diesem Shakespeare sehr wohl verheben. So abwechselungsreich und farbenfroh seine Stück (zumindest) die Komödien) auch sind, so vielschichtig sind die Charaktere, so komplex ist der Handlungsverlauf, so artifiziell ist die Sprache. Nicht nur Amateurgruppen sind daran gescheitert. Bei uns kommt hinzu: Wir hatten (bisher jedenfalls) keine Lust, die einhundertzweiundachtzigst Version des "Sommernachtstraums" zu spielen, ein typisches Schultheater-Stück, das so bekannt ist, dass man immer nur mit anderen berühmten Inszenierungen verglichen wird. Und daran kann man dann wirklich nur scheitern.

Ganz anders die "Greatest Hits". Eingedampft auf einen Bruchteil des ursprünglichen Textes, werden hier nur ganz wenige Handlungslinien ausgeführt - und dann werden auch noch vier Stücke in einem Aufwasch zusammengefasst. Diese komprimierten Teile haben es in sich! Schlaglichterartig werden die Personen beleuchtet, und dennoch werden die entscheidenden Charakterzüge so überdeutlich hervorgehoben, dass man den Eindruck bekommt, man kenne diese Personen nach dem Stück genau. Einen solchen Parforceritt kann sich nur leisten, wer seinen Shakespeare so gut kennt wie George Isherwood.


Shakespeare und Slapstick Slapstick-Komödie, [Slæpstick]
Komödie oder Filmszene mit einer Anhäufung grotesker Gags (Bertelsmann 1997)



Foto: Riegels-Winsauer
Als William Shakespeare (1564-1616) in Stratford-on-Avon zur Schule ging, musste er lateinische statt englische Grammatik lernen, da das englisch-geschriebene Wort noch nicht sehr populär war.

Dieser Tatsache verdanken wir möglicherweise, dass der angehende Stückeschreiber Shakespeare einen sehr freien, ungewöhnlichen Stil für seine englischen Werke wählte. War kein passendes englisches Wort zur Hand, so soll es schon vorgekommen sein, dass Shakespeare sich eigener Wortkreationen bediente.

Seine Karriere begann er mit historischen Dramen - damals eine echte Marktlücke. Als in London lebender, bekannter Schauspieler und Stückeschreiber schuf er eine Reihe von Komödien, dann Tragödien und später, zurück in Stratford einige romantischere Stücke.

"Shakespeare’s Greatest Hits" wie auch das artverwandte "The Compleat Works of Wllm Shkspr (abridged)" haben sich einer in Shakespeare’s Werken vorhandenen, jedoch bisher kaum beachteten Seite angenommen – dem Slapstick. Dialoge wie der der Totengräber im Hamlet oder der Mörder in Richard VI zeigen deutlich, dass auch in den blutrünstigsten Tragödien Shakespeare’s Platz für Wortwitz und Komik ist.

Vielleicht waren diese Szenen für Shakespeare auch eine Art Ventil, um sich inmitten seiner blutig-historischen, zum Teil sehr verwickelten Abhandlungen ein wenig Luft zu machen.

"Shakespeare’s Greatest Hits" enthält mehr Original-Shakespeare als man glauben mag – einen situationskomischen und wortwitzigen Shakespeare, zu dem man nicht mehr allzuviel dazuerfinden muss, um daraus dieses Stück werden zu lassen.

Wäre William Shakespeare 400 Jahre später geboren - er schriebe wahrscheinlich Stücke wie dieses.