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Die Befristeten (Spielzeit 2006/2007)


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Zum Inhalt der "Befristeten"

Elias Canetti führt die Zuschauer in seiner "utopische Satire" in einen fiktiven Staat, in eine fiktive Gesellschaft. Alle Hinweise auf zeitliche und/oder räumliche Zuordnung fehlen.
In dieser Gesellschaft kennen alle Menschen ihren Todestag und damit ihre verfügbare Lebenszeit. Diese können/müssen sie sich genau einteilen wie einen zubemessenen Vorrat: "Mit einem bestimmten Kapital Leben kommt man zu Welt. Es nimmt nicht ab, es nimmt nicht zu ... Es ist dir allein bekannt, wie viel du hast; so kann dir niemand dreinreden ... Verstehst du es dir einzuteilen, so hast du was von deinen Leben. Du musst einfach wissen, was du mit deiner Zeit kaufst." Der Titel "Die Befristeten" verweist somit auf die jedem bekannte Frist, die bis zu seinem Lebensende bleibt.
Jeder trägt sein Geburts- und sein Sterbedatum in einer versiegelten Kapsel um den Hals, er muss diese Daten (genannt "der Augenblick") aber vor der Mitwelt als höchstes Geheimnis hüten, sonst droht hohe Strafe. Auch der Besitz einer fremden Kapsel ist streng verboten, wer gegen dieses Verbot verstößt, gilt als "Mörder".
Die Namen des Menschen geben Auskunft über das zu erreichende Lebensalter. Wer 15 heißt weiß, dass er mit 15 Jahren sterben wird, eine Frau namens 87 weiß: Sie wird 87 Jahre alt. So sind die Menschen befreit von der Todesfurcht, entwic­keln aber daraus weit schlimmere Zwänge. Der Wert jedes Menschen liegt in seiner Lebenszeit. Ein Herr 88 gilt viel, während das Kind 8 ein Versager ist. In dieser funktional festgelegten Gesellschaft darf allein der Kapselan als oberster (sichtbaren) Repräsentanten des Staates die Kapsel einsehen.
Eine Außenseiterin, sie heißt 50, zweifelt die Ideologie dieser Kapsel-Gesellschaft an. Sie rebelliert gegen das System und fordert den Vertreter der Staatsmacht, den Kapselan, heraus. Sie will und kann nicht einsehen, dass dieses perfide System funktionieren soll. Sie will sich seinen Regeln nicht unterwerfen. "50" greift mit ihrer Rebellion die Obrigkeit an - und macht sich dadurch mehr Feinde, als sie selbst erwartet.