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Currywurst mit Pommes (Spielzeit 2001/2002)


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"Currywurst mit Pommes"
Satirische Momentaufnahmen am Rand einer deutschen Autobahn von Frank Pinkus und Nick Walsh.

Ein Kiosk an einer Autobahnraststätte. Currywurst mit Pommes, Cola und Kaffee, Bratwurst und Frikadellen und mittendrin die Chefin Penny, die am Tag Hunderte von Kunden kommen und gehen sieht. In dieser Szenenfolge sind es 75 Figuren in 47 Szenen. Viele kleine Ereignisse bestimmen den Tagesablauf Pennys: Da gibt es den Rentner, der von seinen Kindern ins Seniorenheim abgeschoben werden soll und gleich wieder ausbüxt. Da gibt es die sächsische Familie auf dem Weg nach Italien, die beim Lesen der Karten leider außerordentliche Probleme hat. Da sind zwei junge Männer auf dem Weg zur Aufnahmeprüfung der Schauspielschule. Eine niederländische und eine schweizerische Familie kämpfen um eine Videokamera. Zwei Schicki Micki Ehepaare sind auf dem Weg zum Konzert der drei Tenöre. Drei Lehrerinnen erhoffen sich in der Toscana aktive Ferien... Das ist ein schriller, verrückter, überkandidelter und atemberaubend schneller Comedy Bilderbogen, der seinen Reiz auch daraus bezieht, dass die vielen viele Szenen schlagartig und ohne Pause hintereinander gereiht sind. Das Stück ist wie eine Comedy Show schrill, schräg, schnell. (fb)

"Currywurst mit Pommes" - fast food oder Leckerbissen?
Warnung an die Zuschauer: Unser diesjähriges Stück "Currywurst mit Pommes" ist flach, belanglos und oberflächlich. Es hat keine "Message" und im Grund noch nicht einmal eine richtige Handlung. Wer Tiefgang sucht, wird nicht fündig werden, wer etwas "Bedeutendes" sucht, ist im falschen Stück.
Dieses Stück ist eine Klamotte: viel platter Witz, viele Klischees, noch mehr Albernheiten. Dennoch ist es für unsere Theatergruppe ideal, weil die Arbeitsbedingungen in diesem Jahr ganz besondere waren: Nach dem letzten Schuljahr hat die Theater-AG einen ungeheuren Aderlass erlebt: Zwölf Abiturienten haben uns verlassen, so viel wie nie zuvor, und sie haben in die Gruppe ein große Lücke gerissen. Auch wenn der Nachwuchs Anlass zu sehr großen Hoffnungen gibt - es bleibt die Tatsache, dass in diesem Jahr nur eine 13-Klässlerin mit von der Partie ist und nur vier 12-Klässler. Wir suchten daher ein Stück mit vielen Rollen, die nach dazu möglichst gleichwertig sein sollten. "Currywurst mit Pommes" bietet genau das, und es besteht aus einer Fülle von kurzen Szenen, die ideale Gestaltungsmöglichkeiten auch und gerade für eher unerfahrene Schauspielerinnen und Schauspieler bieten. Diese Szenen erinnern mit ihren überzeichneten Charakteren, ihrer Situationskomik und ihrem derben, fast anarchischen Witz an Brechts "Übungsszenen für Schauspieler" - und sie sind ein wunderbarer Tummelplatz für komödiantischen Einfallsreichtum.

Zu den ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen in diesem Jahr gehört auch die große Zeitnot, unter der wir permanent standen. Eigentlich für März/April des nächsten Jahres geplant, mussten die Aufführungen aufgrund unerwarteten familienstruktureller Veränderungen des Spielleiter-Teams kurzfristig auf den November vorverlegt werden - angesichts des langen Planungs- und Reservierungsvorlaufs (zB für unserer Probenseminar und die Belegung des Foyers U 3) eine komplizierte Angelegenheit. Wie knapp das alles war, lässt sich ohne Mühe an der Leibesfülle der Spielleiterin erkennen - die Aufführungen liegen, wenn alles klappt, in der zweiten Woche ihres Mutterschutzes. Für unsere Termine im Vorfeld der Aufführungen war es günstig, keine Massenszenen proben zu müssen, angesichts des oftmals überfüllten Terminplans von Schülerinnen und Schülern eine große Erleichterung. Dass das Stück kein aufwendiger intellektueller Spaß ist, war uns sehr wohl bewusst. Dennoch haben wir nie bereut, "Currywurst mit Pommes" ausgewählt zu haben. Ein Stück mit großer Bühnenwirksamkeit und viel Platz für Spiellust und Spielfreude. Zwar gab es auch Bedenken, ob man ein so lustiges Stück angesichts der politischen Lage überhaupt spielen solle, ja dürfe. Aber diese Bedenken schienen uns nicht stichhaltig. Die Welt mit dem notwendigen Ernst und der notwendigen Ernsthaftigkeit zu betrachten ist sicherlich notwendig. Doch deshalb Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zum kreativen Gestalten, zum Spielen, zur Kooperation und überhaupt zum Fröhlich-Sein zu nehmen, wäre fatal und völlig unangebracht. Niemand kann das ernsthaft wollen.

So haben wir denn (wie jedes Jahr) mit und an unserem Stück intensiv gearbeitet; wir haben (wie jedes Jahr) viel Stress und manchmal auch Ärger gehabt, aber der Spaß und die Freud an der Arbeit haben (wie jedes Jahr) überwogen. Dass dies auch von den beteiligten Schülerinnen und Schülern so gesehen wird, belegen die Zahlen: Wieder einmal besteht die Theatergruppe in diesem Jahr aus weit mehr als 40 Schülerinnen und Schülern, und es sind nur deshalb nicht noch entschieden mehr, weil in diesem Jahr die Teilnahme erst ab der 9. Klasse möglich war.

Zum Glück hat unser aller Goethe auch für unser diesjähriges Stück wieder ein passendes Zitat vorbereitet. Dem Zuschauer droht der Meister: "Den schlepp' ich durch das wilde Leben, Durch flache Unbedeutenheit". So machen wir's und wünschen "Guten Appetit".