Home  
In diesen heil'gen Hallen ...


Der erste Eindruck verheerend: kalt, verdreckt, abbruchreif. Es war schrecklich. Eine Gruppe von völlig verzagten Schülerinnen und Schülern stand frierend und verzweifelt an diesem trostlosen Ort und konnte das alles gar nicht fassen: Hier sollte man Theater spielen, In einem solchen Chaos? Das war doch gar nicht möglich!!

Doch, es wurde möglich. Im Schuljahr 1992/93 spielten wir an diesem unwirtlichen Ort, der Shed-Halle in ehemaligen "Technikum", Arnold Weskers "Küche": Mit einem kaum vorstellbaren Zeit- und Materialaufwand verwandelten wir diesen trüben Ort in eine Großküche, schleppten Geräte und Requisiten herbei, besorgten Herde und andere Geräte vom Schrottplatz, schlossen Kühlschränke, Kochstellen und Pizzaöfen an, dichteten das Dach provisorisch mit riesigen Planen ab und versuchten die Kälte des harten Winters durch Gasbrenner zu vertreiben. Und siehe da: Es klappte! Die "Küche" wurde einer unseren größten Erfolge - nicht trotz, sondern gerade wegen dieser Halle.

Als das IKG 1990 den Neubau bezog, hatte die Schule keine Aula: nicht mehr vorgesehen im Raumplan für Gymnasien! Als Ersatz diente jahrelang die Pausenhalle, und hier wurden denn auch die ersten Theaterstücke aufgeführt. Mit "Schnakis", den beweglichen Bühnenelementen wurde eine Bühne zusammengestellt, mit vielen Stoffbahnen wurde versucht, einen einigerma-ßen geschlossenen Raum vorzutäuschen. Die Bedingungen waren miserabel: Keine Nebenräume, keine geeigneten Stromanschlüsse, ständige Störungen bei Proben und Aufführungen durch Pausengong, vorbeiziehende Schüler, jede Schraube in die Decke ein gewagtes Risiko. Außerdem waren die Sichtverhältnisse miserabel: dicke Betonsäulen wurden nicht selten im Geiste verschoben, abgesägt oder einfach weggesprengt: Freier Blick zum Mittelmeer! Nie wieder Pausenhalle!

Dann hörten wir von der freistehenden Shed-Halle des Technikums. Die Halle war schulnah, geräumig und in einem Zustand, in dem man nichts mehr demolieren konnte. Die Nachteile: siehe oben.

Zweimal spielten wir in der Shed-Halle, nach der "Küche" im darauf folgenden Jahr den "Dra-chen" von Jewgenij Schwarz, und dann wurde die Halle zum größten Teil abgerissen und für die Polizei um- bzw. neugebaut: Die armen Theatermenschen waren wieder heimatlos.

Der Kinosaal im Foyer U 3 fiel zwar nicht gerade vom Himmel, für uns aber war er wie ein Ge-schenk höherer Mächte: Eine richtiger Saal, mit feststehender Bühne, mit Strom, Wasser, fester Bestuhlung und vor allem - nach den Kältewintern in der Shed-Halle - mit Heizung!

Insgesamt 16 Mal spielten wir im Foyer U 3. Es war ein wunderbarer Raum! Von der Stadt Reut-lingen wurde er ausgestattet mit guter, für unsere Zwecke völlig ausreichender Bühnentechnik. Für Profis ist dieser Saal sicher nicht ideal, zu laut, zu hohe Bühne, zu wenig Nebenräume, so wird kritisiert. Uns störte das nicht, im Gegenteil; nur weil diese Halle nicht rund um die Uhr ver-mietet ist, konnten wird als Schule ihn immer wieder belegen. Dann fiel der (lobens- und unter-stützenswerte) Beschluss, das "Foyer" umzuwandeln in ein selbstverwaltetes Kulturzentrum. "Selbstverwaltet" bedeutet auch "selbstfinanziert", und so können wir seit einigen Jahren wieder dort spielen, allerdings ist die Miete so hoch, dass wir jedes Mal an unsere finanziellen Grenzen stoßen.

Und so hoffen wir (wie viele andere Gruppen in Reutlingen) wieder einmal und immer noch auf das schon so lange versprochene Theaterhaus ...